Faschingsbericht 2005

von Horst Wunner
 

TREBGAST FEIERTE BIS IN DIE PUPPEN Mal im Disco-, mal im Flamenco-Rhythmus: Tanz-Ensembles ließen die Stimmung überschäumen
Wo Fasching zur Glamour-Gala wird


Diese unverwechselbare Stimmung made in Trebgast ist ein Phänomen: Ohne Zögern, ohne Aufforderung schlägt die Flamme der Begeisterung vom ersten Musikton der Hartmann-Brothers hoch, stehen die Leute auf den Bänken, recken die Arme gen Himmel. Dabei ist der offizielle Beginn des 18. Trechetzer Faschings in der Turnhalle noch ein Stück entfernt. Also die besten Voraussetzungen für einen Abend, der auch nach fast zwei Jahrzehnten Ritual nicht ermüdet, vielmehr die knapp 300 Besucher mitreißt.
TREBGAST – Der Zuschauer erlebt in dichter Folge Bilder voller Ausdruckskraft, choreografisch fantasievoll umgesetzt, die Unmittelbarkeit, Spannung, Tempo und Rasanz ausdrücken, emotionsgeladen und zupackend sind. Trechetzer Fasching ist in der Auswahl an Musikstilen, Kostümen, Gags und gewollten Flops fast nicht mehr zu überbieten. Die mehr als 40 Akteure präsentieren eine Show, die ein ganzes Stück an Professionalität bietet, eben reiche Bühnenerfahrung mitbringt.

Da ist schon der Nachwuchs eine Augenweide, wirbeln die Star-Girls in herzerfrischender Natürlichkeit, fahren auf Liedern der Deutschen Welle ab und als „Völlig losgelöst“ erklingt, flippt das Publikum fast aus. Schon vorher machen die „G seven“, Zwölf-bis 14-Jährige in Lametta-Glitzer und weißem Body, ihr Forum zum flimmernden Eldorado. Und die schon fast erwachsenen „Bad Angels“ komplettieren die Nachwuchshoffnungen, lösen mit ihren zwei Auftritten Night-Dance-Disco-Fieber aus. Sogar der Bühnenboden wird durch die Explosivität der Bewegungen in Mitleidenschaft gezogen. Im Gewittersturm und bei zuckenden Blitzen wachsen Sandra Vetter, Tina Friedrich, Madelaine Rogoll, Sandra Pistor und Bonny Schulz über sich hinaus, sie sind unter der Leitung von Marion Vetter zu echten Stars geworden.

Ohne sie kann der Trechetzer Fasching nicht leben, ohne die Trumpfasse „Rondo Promillos“ und die Tanzgruppe „Mochitos“. Diesmal treten sie in gemischter Formation auf, ergänzen sich großartig. „Lord of the Dance“ interpretieren Norbert Stöcker, Heiko und Ingo Moos, Gerald Schoberth, Uwe Lein, Michael Opel in mystischer Entrücktheit. Fackelträger tauchen sie in fluoreszierenden Lichterschein.


Ein Rausch in Rot, Schwarz und Weiß der Flamenco-Tanz von Birgit Falk, Anita Baum, Jennifer Baum, Carmen Günther und wiederum Andrea Lein. Sie verzücken mit den stolzen Caballeros (Rondo Promillos) ihr Publikum, südliches Temperament mit großer Lust an Improvisation. Eines der vielen Gesichter an Trebgaster Ideenreichtum. Schließlich noch eine umwerfende musikalische Parodie mit „Schnappi, dem Krokodil“ alias Sebastian Menzel. Er dirigiert trefflich die nur mit Pampers und Schnullern bekleideten Heiko Moos, Ingo Moos und Gerald Schoberth, viel nackte Haut von drei kühnen Trebgastern.

Fast ein bisschen kurz kommt der Sketch, die freie Rede. In der Bütt steht erneut Mark Ständner, der „Staahauersgerch“, der die heimischen Geschehnisse mit dem richtigen Blick für sonst stark verborgene Internas glossiert. Und die „Reigschlaaft“n“, mit Silke Munzert und Sabine Hartmann das ideale Paar, wissen viel über Trebgaster Intimitäten, von den Trinkgewohnheiten des Bürgermeisters und Pfarrers. Gehen in ihren Witzen schon mal unter die Gürtellinie, bleiben aber immer nett und genießbar.

Schöne, wiederkehrende Zeremonie: Die Krönung der Majestäten Prinzessin Sandra I. (Sandra Günther) und Prinz Jo I. (Stefan Böhmer) sowie des Jungprinzenpaares Saskia Grampp und Tobias Balzer. Sandra und Stefan verkünden Verheißungsvolles verkünden: Freibier beim Kufer und Befreiung der Ehefrauen von den ehelichen Pflichten bis Aschermittwoch und dazu noch die Aufhebung aller Abwasserbescheide.

Überschäumende Ausgelassenheit schließlich beim furiosen Finale, als sich alle Akteure in einer Riesenpolonaise finden. Dass der Abend so schwungvoll, locker und ohne Pannen über die Bühne geht, ist ein Verdienst des perfekten Moderators Uwe Horter.                                                                                               

HORST WUNNER