Faschingsbericht 2006

von Horst Wunner
 

BEIFALLSSTÜRME AM SAMSTAGABEND IN DER TURNHALLE
Von heißblütigen Piratinnen, einem singenden Käpt‘n und Herren im Ballettröckchen 
„Trechetzer“ Narrenschiff auf Kurs
 

Wenn Männer im Vampirkittel sich in grazile Tänzerinnen verwandeln, wenn heißblütige Piratinnen tänzerisch ihre Reize zeigen und der Käpt‘n live Lieder von Peter Maffay singt, dann wird die Turnhalle zum Narrenschiff: „Trechetzer“ Fasching eben.

TREBGAST – Bunt, schrill, sexy, erfrischend natürlich, mit Tempo und einer Menge neuer Ideen, schrieb auch der 19. Trechetzer Fasching am Samstagabend wieder Geschichte. Die Crew vom TSV war im genau richtigen Moment topfit, zeigte Coolness, Cleverness, viel Wandlungsfähigkeit und Sinn für überschwappenden Humor. Nicht vordergründig oder krampfhaft suchte man die Pointen, vielmehr sprühten die voll aus sich herausgehenden Akteure vor Spiellust. Der Funke von der Bühne sprang leicht auf die etwa 350 Zuschauer über, die, angeheizt von den Hartmann-Brothers, sich in toller Frühform mitreißen ließen.

Fast unnachahmlich die Auftritte der „Rondo Promillos“, langjährige Faschingserprobte, die in gekonnter Persiflage die letzten Momente vom Untergang der Titanic kommentierten. Da singt Heiko Moos in der Filmrolle der Kate Winsley in ergreifender Pose hingebungsvoll schmachtend das Liebeslied, derweil schon mit der Seele im Jenseits. Das von Uwe Lein gestaltete Bühnenbild war ebenfalls opulent ausgefallen.

Nachwuchs geizt nicht mit Reizen

Später die „Sex“ (Herren) im Ballettröckchen mit einem Pas de deux a la Trebgast, in berückender Zierde auf den Fußspitzen hüpfend. Der gewaltige Bär Norbert Stöcker entpuppte sich da als umwerfende Komikfigur. Gerald Schoberth, Michael Opel, Uwe Lein und Ingo Moos, zeigten prachtvolle Szenen voll „weiblicher“ Anmut, die Lachtränen in die Augen trieben.

Und dann kamen die „Mochitos“ mit ihrem selbst ausgedachten Piratentanz, der Entfesselungskünste und Kampfsport vereinigte, Laszivität, Heißblütigkeit und Kraft verströmte. Jenny Baum, Nadine Pfaffenberger, die beiden Jüngsten und die Augenweide, wirbelten sich mit Birgit Falk, Cordula Küspert und Andrea Lein in einen wahren Rausch. Sie sind Tanzbesessene und allesamt eine „Männerherausforderung“. Ohne Zugaben kamen sie nicht von der Bühne.

Pep und Power pur, hoch gewachsene Blickfänge, mit Glut in den Adern, verkörperten die „Bad Angels“. Genau abgezirkelte Bewegungsabläufe und rasante Agilität im Disco-Tanz waren perfekt einstudiert; die 18- bis 20-jährigen Sandra Vetter, Carina Lauterbach, Madeleine Rogoll und Sandra Versch sind die Hoffnungen im Trebgaster Faschingstrubel, von ihnen ist noch einiges zu erwarten. Genauso wie von „Michael and the Star-Girls“, junge Mädchen in einer Parodie auf ein Udo Jürgens-Medley. „Aber bitte mit Sahne“ hallte durch den Raum. Ein bisschen frech, keck und gut trainiert, sang und tanzte der Nachwuchs: Lena Haas, Saskia Gramp, Nina Liebig, Vanessa Bock, Lydia Hilpert, Lea und Vanessa Fischer, Nicole Hopfer, Julia Baumüller und den mutigen Michael Träger als Hahn im Korb.

Seitenhiebe in Richtung Politik

Erinnerungen an früher weckte Sebastian Menzel als Käpt‘n in dem Live-Song „So bist du“ von Peter Maffey, ein Könner an der Gitarre und mit Kraft in der Stimme. Bliebe noch der Mann in der Bütt: Ungeschminkt und direkt warf Mark Ständner kleine Giftpfeile, nie unter die Gürtellinie gehend, glossierte die große Politik und das Kommunalgeschehen. Da war vom Schatten des Vorgängers des jetzigen Landrats die Rede, ordnete sich Bürgermeister Siegfried Küspert falsch in den Verkehr ein und Werner Diersch bekam Schwierigkeiten mit dem ständigen Lächeln wegen der neuen Anforderungen für das Bild im Reisepass.

Obligatorisch die symbolische Schlüsselübergabe des Gemeindeoberhauptes an das sympathische Prinzenpaar Jenny I. und Michael I. sowie der Auftritt des Jungprinzenpaares Dominic Träger und Julia Dippold, das aus dem Stegreif eine kleine Rede fabrizierte. Wie immer führte Uwe Horter routiniert durchs Programm, nie um einen guten Einfall verlegen. Als dann gegen Mitternacht alle Akteure zur Schlusspolonaise durch den aufgeheizten Saal zogen, kannte der Jubel keine Grenzen mehr.

Für die Musik zeichnete Jörg Bauer, für das Licht Dieter Krauße verantwortlich. Um die Schminke kümmerten sich Andrea Bauer und Melanie Moos, Andrea Aßmann nähte die Kostüme für die Rondos. In Trebgast ist eben gute Teamarbeit vor und hinter der Bühne eine Selbstverständlichkeit.


HORST WUNNER