Faschingsbericht 2007

von Horst Wunner
 

TRECHETZER NARREN TESTEN UNGENIERT GRENZEN AUS
Bunt, schrill und manchmal extrem: Moralinsaure Zeitgenossen
hatten beim TSV-Fasching nichts verloren!
Anrüchiges mit Lust an der Persiflage

Es war Nostalgie und Moderne, eine Show, die mitriss: Bunt, schrill, manchmal ins Extreme fallend, voller „action“ und einer Kostümpracht, die fast trunken machte. Und er ist eine Erfolgsgeschichte geworden, der „Trechetzer TSV-Fasching“, der von einer erfrischenden Ursprünglichkeit, dem Ideenreichtum und der Lust an der Parodie, der Persiflage lebt.

TREBGAST – Zum 20. Auftritt – ein kleines Jubiläum! – zeigten sich die Mimen auf der Bühne von ihrer besten Seite, brillierten in Tanz, Schauspielkunst und Dynamik, reihten ein Highlight an das andere. Für mehr als drei Stunden genossen über 300 Besucher Bilder voller Farbenpracht und die ungehemmte Freude der Mitwirkenden an Spass, Nonsens, Verwandlungskunst und Power.

Köstlich anzusehen das Debüt der TSV-Minis, fünf- bis sechsjährige Knirpse, die in gelbem Dress fähnchenschwingend mit „Fussball-Käpt’n“ Sebastian Menzel WM-Stimmung in die Turnhalle holten, während „Michael and the Star-Girls“ in gekonnten Tanzszenen ihr Talent zeigten. Temperamentvoll und mit Ausdauer servierte der Nachwuchs um Lena Haas, Vanessa Bock, Lea Fischer, Nicole Hopfer, Julia Baumüller und Michael Träger als Hahn im Korb Lieder von Abba und Major Tom. Junge Damen präsentierten sich mit Sandra Vetter, Vanessa Bock und Madeleine Rogoll in mitreißendem Bewegungsrhythmus, die „Bad Angels“ forcierten das Rollenspiel der mit tödlicher Wucht Darniedergestreckten großartig, wozu Stephan Hauer den angsteinflösenden Bösen verkörperte.

Nicht mehr zu überbieten an Ausstrahlungskraft eine Gruppe, die schon Kultstatus besitzt: die Rondo Promillos. Mit den Urgesteinen Gerald Schoberth und Norbert Stöcker sowie Michael Opel, Uwe Lein, Heiko und Ingo Moos und Joachim Schoberth waren sie das Salz in der TSV-Faschings-Gourmetsuppe – mit einer Menge Mut, Körper zu zeigen und ganz gegensätzliche Szenerien in Gang zu setzten.
Sie leisteten ein Riesenpensum, allein schon das blitzschnelle Schlüpfen in verschiedene Rollen kurz hintereinander verlangte Variabilität und eine Menge Bühnenerfahrung. Zum Beispiel bei der neuen, leicht anrüchigen Show von „Schneeflittchen und den Sex-Zwergen“, zum Beispiel beim Tanz der Vampire im Horroszenario mit tollen Lichteffekten, zum Beispiel als umwerfende Comedian Harmonists oder bei der „Schniedelwutz-Parodie“.

Sie alle rissen das Publikum zu orkanartigen Beifallsstürmen hin. Aber, kaum zu glauben, setzten die „Trechetzer“ noch eins drauf, toppten das Ganze mit den „Mochitos“, den sieben hübschen Frauen, die atemberaubende Tanzszenen aus der Tiefe Afrikas zelebrierten. Angeführt von Frontfrau Andrea Lein, sorgten Birgit Falk, Jenny Baum, Christine Hahn, Cordula Küspert, Anita Baum und Simone Böhme schon beim Gang auf die Bühne für bewundernde Blicke. Barfuss, in exotischer Maskerade mit wunderschönem Kopffederschmuck, vermittelten sie ein bisschen Voodoo-Magie, für Momente lag Trebgast ganz in der Nähe des Äquators. Kompliment für die Choreographie mit Urwaldambiente und exotischem Vogelsang sowie an die perfekte Kostümierung. Sabine Hartmann und Günther Hübner ergänzten im Trebgaster Jargon als Einheimische das Team.

Ohne die Bütt ist der Trebgaster Fasching nicht denkbar. Schon bekannt in dieser Rolle, glossierte Mark Ständner als „Staahauersgerch“ das Lokalgeschehen, der „Neue“, Markus Schoberth, wusste pointiert, schelmisch und deftig fränkisch in seinem Blick auf Eingemachte zu überzeugen. Da reift ein Talent heran.

Wie immer führte Faschingspräsident Uwe Horter mit routinierter Würze und punktgenauen Beobachtungen fürs Detail durch das gesamte Programm. Prinzessin Anastasia I. (Anastasia Weinberg) und Prinz Zacken I. (Florian Will) sowie das Jungprinzenpaar Rouven Kerner und Lea Moos wurden von ihrem Volk bejubelt, zur Jubiläumsveranstaltung dekorierte man auch über zehn Prinzenpaare der vergangenen närrischen Jahre.

HORST WUNNER